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Samstag, 25. November 2006
Von nichts kommt nichts
Wer anhand der von mir gewählten Überschrift meint, ich trötete in das Horn dessen, was allgemeinhin als „Neoliberalismus“ genannt wird, der täuscht sich!
Mit großem Interesse habe ich die im Internet veröffentlichten Emails unter www.stern.de zu der Frage gelesen, was gerecht und was ungerecht ist. Insgesamt ein erschreckendes Bild!
Schuld sind WIR ALLE jedoch selbst! Insgesamt ist mein Eindruck der, dass zwar ein Großteil der Bevölkerung mit der derzeitigen Entwicklung der Gesellschaft extrem unzufrieden ist, doch keiner, auch nur ansatzweise, bereit ist sich für eine Veränderung der Gesellschaft zu engagieren. Jeder flüchtet sich, so gut er kann, ins Private. Es wird gemault und gemeckert – beim Skatabend oder beim Kaffeeplausch! Parteien und Gewerkschaften laufen die Mitglieder weg, gesellschaftliches oder politisches Engagement bei Studenten findet quasi nicht statt. Es gibt zaghafte Bemühungen kleiner, versprengter Haufen sich beispielsweise gegen die Einführung von Studiengebühren zu wehen, ohne den entsprechenden Erfolg! Etablierte Medien, wie beispielsweise das ZDF, berichten über Studentenproteste gegen Studiengebühren entweder nur am Rande oder aber, wenn doch, dann mit absichtlichen Falschmeldungen über eine nur „sehr geringe“ Protestteilnahme!
Aus Angst vor möglichen Protesten gegen die Einführung von Studiengebühren werden Sendungen von „Sabine Christiansen“ nicht live gesendet sondern aufgezeichnet, wenn einer der größten Versager der deutschen Politiklandschaft, Klaus Wowereit, zur „Plauderstunde“ eingeladen ist.
Während früher sinnentleerte „Quasselsendungen“ ausschließlich von den Privatsendern ausgestrahlt wurden und der nachmittäglichen (Hausfrauen-) Unterhaltung dienten, findet das inhaltsleere und floskelhafte „Quasseln“ heute zur besten Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen statt. Die „Quasselsendungen“ haben Titel wie „Sabine Christiansen“ oder „Berlin Mitte“. Sendungen dieser Art erfreuen sich, wie man an den Einschaltquoten ablesen kann, großer Beliebtheit und dass, obwohl fast immer die gleichen „Politclowns“ auftreten und gebetsmühlenartig ihre sinnentleerten Worthülsen ins Mikrofon hauchen. Kritisches Nachfragen seitens der Moderatoren findet nicht statt, da weder Redaktion noch Moderator vom Thema auch nur ansatzweise Ahnung haben – von „Biss“ und „Charisma“ ganz zu schweigen. Für den „Quasselsendungen“-Gast werden keinerlei „unbequeme“ Fragen bereitgehalten, denn ansonsten würde er ja möglicherweise nicht „im positiven Licht“ erscheinen und könnte damit der nächsten Einladung der Redaktion nicht folgen. Anspruchsvollen TV-Sendungen, wie beispielsweise „Monitor“ oder „Panorama“, werden um ein Drittel der Sendezeit gekürzt, um mehr Zeit für „Triviales“ zu haben! Mehr Zeit für „Lindenstraße“, „Verbotene Liebe“ und Co.! Der Präsentationsstil der „heute“-Nachrichten im ZDF hat sich in den letzten Jahren derart verändert, dass man den Eindruck hat, einen „guten Freund, eine gute Freundin“ im Wohnzimmer zu Besuch zu haben, der bzw. die einem die Nachrichten aus aller Welt „angenehm“ aufbereitet. So sind Massaker, Umweltskandale und Arbeitslosenstatistiken im heimischen Bereich, mit einem „Hauch der Betroffenheit“ ein wenig angereichert, einfach besser zu ertragen - alles muss schön „locker-flockig“ dargestellt werden. Von der Nachrichten-Präsentation bei den Privatsendern braucht man gar nicht erst reden – eine einzige Farce!
Den Zustand einer Gesellschaft kann man nicht nur an ihrem Umgang mit den schwächsten ihrer Mitglieder ablesen, sondern auch an ihrer Medienlandschaft und insbesondere an dem Massenmedium TV: Banalitäten und Trivialitäten interessieren den Konsumenten. Dieser möchte sich bedienen lassen, bei Bier und Knabbergebäck ein wenig maulen und meckern. Er möchte sich so lange aufregen, bis er dann endlich eingeschlafen ist. Aber sich selbst beteiligen, eigene Ideen einbringen und womöglich das ganze noch in einer Gewerkschaft oder gar in einer Partei? Nein, bloß nicht! Gut, man besucht vielleicht einmal eine parteipolitische Veranstaltung mit einem womöglich prominenten Politiker und man könnte auch Fragen stellen. Aber kritische oder gar unbequeme Fragen stellen? In der Öffentlichkeit? Nein, dass dann bitte doch nicht, das sollen mal andere machen! Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal ihrem Landtags- oder Bundestagsabgeordneten einen Besuch in der Bürgersprechstunde abgestattet und haben ihm von Angesicht zu Angesicht gesagt, was Ihnen missfällt, was wie anders gemacht werden müsste? Haben Sie sich darüber geärgert, dass sich Politiker in Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein ihre Diäten großzügig erhöhen und gleichzeitig den Landesbeamten, wie beispielsweise Polizeibeamten, die Bezüge kürzen? Ja? Prima, aber warum haben Sie sich dann nicht mit anderen zusammengeschlossen und demonstriert? Sind Sie Rentner, körperlich topfit, organisieren gerne gemeinsame Ausflüge mit Freunden und Bekannten oder vielleicht auch mit dem Chor, in dem Sie mitsingen, und ist es für Sie unverständlich, weshalb Sie trotz Inflation und höherer Beteiligung an der Krankversicherung keine Rentenerhöhung bekommen? Die Frage ist doch nun, weshalb Sie sich nicht mit anderen Rentnern aus Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zusammenschließen und statt einer Chorfahrt in der nächstgrößeren Stadt eine Demonstration gegen die Rentenpolitik auf die Beine stellen?
Überlassen wir unser Land nicht länger teilweise verkrachten Existenzen an Politikern! Stehen wir endlich aus unseren bequemen Sesseln auf, engagieren uns in der Gesellschaft und packen die Dinge an, die wir so nicht länger hinnehmen wollen und verändern sie!

Mike

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